Tag 83 – Lost in Yosemite – Ende Gelände ?

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Wieder klingelte der Wecker um gut 9:00 a.m. Ich habe letzte Nacht nicht so lange gearbeitet und daher etwas mehr als letzte Nacht schlafen können. Wir packten unsere Sachen und checkten die Route für unser kommendes Ziel – Yosemite. Bei der Rundreise mit meinem Vater durfte dieser eindrückliche Park natürlich nicht auf der Liste fehlen. Dabei war ein Besuch alles andere als sicher. Denn es herrschten die letzten Woche für lange Zeit grosse und heftige Waldbrände. Aber die Zeichen standen auf grün. Einzig und allein unsere AirBnB Wohnung, mussten wir über einen Umweg anfahren. So lauteten die Instruktionen der Vermieterin.

Pünktlich um 11:00 a.m verliessen wir unsere Wohnung mit der traumhaften Aussicht und gingen wie schon gestern erneut ins «Beachwood Cafe» um uns noch einmal vor unserer langen Fahrt zu stärken. Vor uns lagen mehr als 500km, also mit Verkehr einberechnet heisst dies, gut sechs Stunden Autofahrt. Wir fuhren kurz vor 12 Uhr mittags vom «Beachwood Cafe» los. Die Fahrt ging zügig, wir hatten keinen grossen Gegenverkehr. Mein Vater war immer wieder erstaunt, wie für einige Häuser vermutlich die Zeit stehen blieb und nie eine Renovation erfahren durften. Ebenso wie die vielen Oldtimer, die irgendwo vor Hauser standen und vor sich hin rosteten. Da blutet fast etwas das Oldtimer-Herz.
Nun, was will ich schreiben zu einer solch langen Autofahrt? Das ist immer etwas das Problem, wenn ich diese Beiträge schreibe. Ich meine, die Stecken sind meist wirklich nur geradeaus, und das Landschaftsbild mehr oder weniger monotone Wüste und hin und wieder Hügel. Da wir noch Proviant für die kommenden Tage brauchten, entschieden wir uns bei einem «Food 4 Less» einzukaufen. Ich kannte diese Kette immerhin schon von meinem ersten Yosemite Besuch. Mit den Karten-Apps ist das Auffinden und ansteuern beliebiger Ziele keine grosse Kunst mehr. Dann noch kurz getankt und weiter ging es, noch etwa zwei Stunden. Das Landschaftsbild änderte sich langsam. Die Hügel wurden grösser und die Dichte der Bäume nahm zu. Ebenso sah man überall, am Fusse der Bäume verrusste Stellen. Ganze Flecken waren auch schon Kahlgerodet. Trotz meiner leichten Erkältung glaubte ich, einen russigen Geruch in der Luft wahrzunehmen. Ohne etwas zu erwähnen nannte das auch mein Vater. Wie traurig, Bäume die seit Jahrzehnte, Jahrhunderte wachsen, fallen der Trockenheit zum Opfer. So war es vermutlich schon immer und wird es immer sein.

Einige Stellen haben sogar noch aktive Glut

Wir kamen zum Parkeingang. Es gibt mehrere dieser Eingänge, letztes Mal waren wir an einem ganz anderen. Wir bezahlten wieder 35$ und der Park steht dann wie gesagt für 7 Tage offen – so gesehen eine Toppreis-Leistung. Nach vielleicht 20 Minuten war er vor uns. Mir war nicht bewusst, dass es gleich hier ist, kamen wir letztes Mal von einer komplett anderen Richtung. «El Capitan». Welch Energie ich direkt wieder wahr nahm und klein man sich vorkommt. Wie hielten an, stiegen aus und machten paar Fotos. Selbst mein Vater war von dieser gewaltigen Dimension beeindruckt. Er bestätigte, was ich schon immer sage. Man kennt es von Bildern. Aber live ist es eine ganz andere Liga. Wir fuhren weiter. Vorbei an noch rauchende Stellen und Gewässer, die ich noch mit deutlich mehr Wasser in Erinnerung hatte. Ob es die anhaltende Dürre und die Feuer waren, die ihre Opfer forderten, ist leider nicht genau zu sagen – aber es schmerzt. Bis zu unserem Ziel waren es noch gut 20 Minuten. Wir wurden etwas nervös, als wir an ein Schild kamen auf welchem stand, dass die Strasse in einer Meile gesperrt sei. Wie ist das zu verstehen? Es gab zwei Routen zur Wohnung. Route 41 ist gesperrt, das sagte Holly unsere Vermieterin. Nutzt die 140, aber die scheint auch gesperrt zu sein. Also kehrten wir um und versuchten einen «Schleichweg» aber auch die war zu. Es wurde immer dunkler und wir immer nervöser.
Wir fuhren ein Stück zurück, verliessen den Park. Zu Zeiten des Smartphones und Internets denkst du sicher, warum nicht anrufen oder eine Whats App Nachricht? Nun, man hat im Park die meiste Zeit schlicht «No Service».

Sicht aus der Terrasse unseres „Notfall“-Hotels

Wir hielten bei einem Hotel an um uns kurz zu nach weiteren Routen zu erkunden. Vielleicht haben wir die Instruktion falsch verstanden? Nach einer Diskussion mit ihren Kolleginnen sagte uns die Dame an der Rezeption, dass kein Durchkommen zu diesem Ziel sei. Unsere Vermutung scheint sich zu bestätigen. Holly selber war wohl nicht bewusst, dass die 140, warum auch immer, gesperrt ist. Wir buchten also direkt eine Nacht in diesem Hotel. Es war immerhin schon Dunkel und wer weiss, wie lange das ganze Theater noch weiter geht. Besonders war in dieser Unterkunft, dass es zwar WLAN gab, aber nicht funktionierte (den Grund sollten wir am nächsten Tag erfahren). «Shit happens» kann ich da nur sagen – kein WLAN, kein Telefonempfang. Wir gingen ins Restaurant, welches gleich nebenan war, assen was und gingen danach auf unser Zimmer. Dieses war immerhin recht gross und hatte zwei grosse Betten. Ich zapfte durch das TV-Programm, viel gibt es ohne Internet immerhin nicht zu tun und immerhin, es lief «Logan». Das trifft sich verdammt gut. Ich wollte den Film nämlich ein weiteres Mal schauen und zwar in Englisch und das kann ich jetzt – ein Wink des Schicksals.

 

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